Die Kurse

1. Kabarettkurs

von Tilman Lucke

Die Tradition will es, dass am vorletzten Abend der SommerAkademie ein kultureller Abend zeigt, was der Kabarettkurs geleistet hat. Wohlan, die bevorstehende Bundestagswahl und weitere Unterkapitel des Superwahljahrs 2009 lassen uns sicher vor Ideen nur so am Fließband entlang hopsen! Auch unberechenbare Schrottreaktoren, eine skandalöse Tour de France und Fehlverhalten von Nicolas Sarkozy wurden dem Kabarettkurs wieder fest zugesagt. Doch politisches Kabarett ist nicht immer explizit politisch, auch in Sketchen über Pädagogen, Manager oder Muttis kann viel Politik stecken, die wir herauskitzeln werden. Die Kurszeit werden wir hauptsächlich mit dem Schreiben und Proben unserer Sketche und Songs verbringen, Theorie kann wegen Zeitmangels eher nicht geleistet werden. Wer vor dem Kurs schon einen Text schreibt, ist natürlich noch lieber gesehen als die anderen Teilnehmer. Bitte gebt bei der Anmeldung an, ob Ihr ein Instrument spielt oder singen könnt.

Tilman ist Kabarettist in Berlin. Das fing damit an, dass er 2004 seinen ersten Kabarettkurs im CdE leitete. 2005, 2007 und 2008 entstanden seine drei politisch-literarischen Soloprogramme, doch insgeheim hofft er auf regelmäßige Scheibenwischer- und Anstalts-Auftritte in der Glotze. Im letzten Jahr war er Teilnehmer an der Celler Schule, einem Stipendium für Textdichter. Er studiert Zynistik, Gagologie und Pointenkunde sowie als Nebenfächer Geschichte und Politik. Weiteres unter www.tilmanlucke.de.

2. "Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren" – Journalismus und Medien unter der Lupe

von Nils Glück und Judith Smigielski

Um erst einmal ein weit verbreitetes Missverständnis auszumerzen: NEIN, Kommunikationswissenschaftler philosophieren NICHT über Smalltalk oder untersuchen, wie man sich erfolgreich mit Geschäftspartnern unterhält. Vielmehr beschäftigt sich die Kommunikationswissenschaft (kurz: KW) mit dem in der heutigen Gesellschaft allgegenwärtigen Phänomen der Massenmedien. Dabei beantwortet sie Fragen wie z.B.: Nach welchen Prinzipien wählen Journalisten die Meldungen aus, die in die Zeitung kommen?, Wie funktioniert das deutsche Mediensystem?, Wie reagiert das junge Publikum auf mediale Gewaltdarstellung? oder: Wie wirkt Werbung? Außerdem werdet ihr erfahren, was man unter parasozialer Interaktion versteht und warum sich KWler für Hausfrauen und Marsmenschen interessieren.
Vorkenntnisse sind weder nötig noch erwünscht: Im Kurs soll neben einer Einführung in die Grundlagen der KW vor allem die Praxis im Vordergrund stehen: Wir werden praktisch die Arbeit einer Zeitung oder einer anderen Medieninstitution nachvollziehen, will heißen: Falls von den Kursteilnehmern erwünscht, soll eine Akademie-Zeitung produziert werden. Außerdem wollen wir Fernseh- und Radiosendungen von früher und heute miteinander vergleichen und journalistische Tricks erlernen. Danach werdet ihr die Tagesschau mit anderen Augen sehen – versprochen!

Nils studiert Journalistik und wird den Kurs mit seinen praktischen Erfahrungen aus dem medialen Arbeitsalltag bereichern. Judith studiert an der LMU im vierten Semester KW im Nebenfach und freut sich auf einen spannenden Kurs mit euch!

3. Pflanzen und ihre Heilwirkung

von Gabriella Gall und Oliver Caspari

Stellen Sie sich vor, Sie wachen nachts auf und Ihr Kind hat einen leichten Schnupfen! Oder Sie brauchen ein sachtes Mittel gegen Warzen! Die Hausapotheke ist leer und die nächste Apotheke ist zu weit weg, weil die ortsansässige durch all die Online-Konkurrenz eingegangen ist, man wohnt irgendwo zwischen Wald und Wiese, das Auto ist kaputt und der nächste Bus fährt erst am nächsten Tag um 8 Uhr… was tun? Nein, wir wollen keine Werbekampagne zum Erhalt der lokalen Pharmazieanstalten starten. Wir wollen euch in diesem Kurs beibringen, wie ihr eure eigene Medizin brauen könnt mit dem, was in eurem Garten, in dem eures Nachbarn, auf Wiesen oder im Wald wächst. Uraltes traditionsreiches Wissen! Neueste Erkenntnisse! Wir bringen euch bei, wie ihr verschiedene Pflanzenfamilien und -arten unterscheiden und erkennen könnt, welche Heilmittel aber auch Gifte sich unter diesen befinden und wie diese in eurem Körper wirken. Zu diesem Zweck werden wir auch einmal selbst hinaus gehen, Pflanzen bestimmen und sammeln um dann daraus heilenden Tee, Salben, oder andere Dinge herzustellen.

Gabriella studiert in München Biologie, Oliver Natural Sciences mit Schwerpunkt Biologie und Chemie in Cambridge. Beide begeistern sich für das Thema.

4. Einführung in die allgemeine Relativitätstheorie

von Franziska Synatschke und Philipp H. v. Loewenfeld

Mit der Vorstellung der allgemeinen Relativitätstheorie hat Einstein unser Verständnis von Raum und Zeit revolutioniert, und kurz vor ihrem 100. Geburtstag sind noch lange nicht alle Implikationen dieser Theorie verstanden.
Die allgemeine Relativitätstheorie ist Grundlage der modernen Beschreibung von Raum, Zeit und Gravitation. Beginnend mit den mathematischen Grundlagen wollen wir uns die geometrische Beschreibung der Raumzeit erarbeiten. Zum Schluss wollen wir die Anwendung auf kosmologische Modelle und Schwarze Löcher betrachten. Die konkreten Themen werden sich – im Rahmen der Kenntnisse der Referenten – auch nach den Interessen der Teilnehmer richten.
Vorausgesetzt werden Kenntnisse in Differential- und Integralrechnung.

Philipp promoviert an der LMU in München über Stringtheorie-inspirierte Kosmologie und Franziska arbeitet im Rahmen ihrer Dissertation in Jena über supersymmetrische Quantenfeldtheorien.

5. Collective Creation

von Florian Götz

Theater machen heißt: Man bekommt ein Skript, lernt den Text auswendig und spielt ihn vor Publikum vor? Geht auch anders: Eine "Collective Creation" ist ein Stück Theater, das gemeinsam von der Gruppe geschaffen wird. Was dabei dann rauskommt, weiß man vorher nicht. Wir werden in den ersten paar Stunden ein paar Methodiken der "Collective Creation" ausprobieren und uns dann daran machen, ein eigenes Werk zu basteln, das am Ende der Akademie gezeigt wird.
Voraussetzungen für Teilnehmer sind Offenheit und Experimentierfreudigkeit, sehr viel Geduld (Ideen kommen nicht immer sofort) und die Bereitschaft, in einem Team kreativ zu arbeiten.

Florian Götz lebt bald wieder in Erlangen, wo er für ein kleines, internationales Experimentiertheaterfestival in der künstlerischen Leitung tätig war und nebenbei auch noch studiert hat. Im Moment arbeitet er in Montreal mit den Gruppen Just Us Producing und Quality Slippers Productions an zwei "Collective Creations" und studiert dort nebenbei auch noch. Er ist übrigens auch Uralt-QED-Mitglied.

6. Munchkin

von Silke Pohl

"Geh in den Dungeon. Töte alles, was sich bewegt. Fall deinen Freunden in den Rücken und klau ihr Zeug. Greif dir den Schatz und dann RENN! Gib's zu, du liebst es."
Wer Munchkin noch nicht kennt, möge dies als eine treffende Spielbeschreibung verstehen. Munchkin, das ist Rollenspiel ohne dieses nervige Rollenspiel. Und das soll auch der Hauptteil dieses Kurses sein: Spielen, ob nun das klassische Munchkin oder bei Vampiren, Cowboys, Piraten oder den alten Göttern, ob als Kartenspiel oder als Brettspiel. Ganz nebensächlich und nur weil wir Munchkins sind und es können, wollen wir die Spiele vergleichen, uns die Entwicklung, die Entwickler und die Verlage des Spiels anschauen und – wer weiß? – vielleicht sogar unser eigenes Munchkin basteln.

Silke studiert in Marburg, spielt Munchkin seit ca. 4 Jahren und bekommt (leider) keine Provision von Pegasus Spiele.

7. Psst! Tanzen macht Spaß! – Tanzen für Anfänger

von Sabine Gack und Stephan Hagner

Stell Dir vor...
...Du wirst von jemandem zum Tanzen aufgefordert oder möchtest jemanden auffordern. Du würdest ja gerne...
...aber Du kannst nicht tanzen!
Dann hast Du folgende Möglichkeiten:
   a) Setz Dich an den Rand und schau den ganzen Abend lang zu.
   b) Sperr Dich heulend auf dem Klo ein.
   c) Such Dir jemanden, der auch nicht tanzen kann, und tu so, als würde es Dich gar nicht interessieren.
   d) Komm in diesen Kurs!
Hier sind alle willkommen, die von Möglichkeit d) überzeugt sind, bis dahin gleichmäßig bis drei und bis vier zählen können und Anfänger sind. Im Kurs werdet Ihr die Grundschritte und ein paar Figuren der gängigsten Standard- und Lateintänze lernen.

Sabine studiert im dritten Semester ein selbstorganisiertes Studium Generale an der LMU München, bis sie ein Fach gefunden hat, das ihr zusagt. In ihrer Freizeit tanzt sie in der Lateinformation des GGC München. Stephan studiert in Erlangen, tanzt seit ca. 3 Jahren begeistert im Unisport und auf CdE-Akademien und hat die Punkte a) - c) alle erfolgreich selber durchgemacht. Beide freuen sich auf d).

8. Lösungsstrategien globaler Krisen

von Thomas Fischbacher

Die Finanz-, Klima-, Nahrungsmittel-, Energie-, Wasser- und andere Krisen sind heute in aller Munde und fangen an, weh zu tun. Sind dies - wie manche meinen - unabhängige Phänomene? Müssen wir deswegen genau gegeneinander abwägen, ob wir lieber das Klima oder den Finanzmarkt retten wollen? Gemäß Einstein können Probleme nicht durch die Denkweise gelöst werden, durch die sie entstanden sind. Deswegen werden große Krisen oft durch das Stellen der richtigen Fragen gelöst, wie etwa: Was kann ein Einzelner oder eine kleine Gruppe tun, um einen effektiven Beitrag zu leisten für den raschen Übergang zu einer gesunden Wirtschaft, die menschliche Schaffenskraft zur Verbesserung statt Zerstörung unserer Lebensgrundlagen einsetzt?
Dieser Kurs liefert Antworten.

Thomas Fischbacher hat an der TU München Physik studiert und wurde am MPI für Gravitationsphysik im Fachgebiet "Theoretische Physik" promoviert. Er hält seit knapp 10 Jahren regelmäßig Kurse für den CdE, oft zu anspruchsvollen mathematischen und physikalischen Themen, gerne aber auch über andere Dinge.

9. ARS AMATORIA – Die Kunst der Liebe (findet nicht statt!)

von Matthias Meier und Daniel Kofink

Die Ars Amatoria, neben den Metamorphosen das wohl berühmteste Werk des römischen Schriftstellers Ovid, ist nicht etwa das Kamasutra der Römer, wie es der Titel vermuten ließe, sondern ein lebensnaher Katalog von Ratschlägen in Sachen Liebe für Frauen und Männer. Wo kann man einen Partner finden? Wie kann man ihre oder seine Liebe gewinnen und was muss man beim Flirten beachten? Was tun, damit die Liebe anhält? Auf all diese Fragen weiß der liebeserfahrene Ovid Antworten, die damals wie heute aktuell sind.
In diesem Kurs soll zum einen natürlich die "Kunst der Liebe" im Mittelpunkt stehen. Schließlich bietet das mehr als genug Diskussionsstoff. Wir wollen aber auch am Ende des Kurses der Frage nachgehen, was verschiedene Ratgeber und die Psychologie heute zu den Themen "Flirten" und "Liebe" zu sagen haben. Zum anderen sollen jedoch die römische Kultur, die Dichtkunst jener Zeit mit einer kleinen Einführung in die Metrik und die Zeitgeschichte (vom Ende der Res Publica bis zum Beginn der Kaiserzeit) nicht zu kurz kommen. Falls noch Zeit bleibt, wollen wir außerdem römische Snacks zubereiten.
Von den Kursteilnehmern erwarten wir, dass sie ein maximal 30-minütiges Referat zu verschiedenen Themen halten. Lateinkenntnisse sind nicht erforderlich, da wir die Ars Amatoria auf Deutsch lesen werden. Wir freuen uns auf einen spannenden Kurs!

Matthias besucht derzeit das Anton-Bruckner-Gymnasium in Straubing, an dem er dieses Jahr sein Abitur machen wird. Er belegt den Leistungskurs Latein und nahm außerdem im Jahr 2008 erfolgreich am internationalen Latein-Wettbewerb CERTAMEN CICERONIANUM Arpino teil. Daniel studiert im 3. Semester Psychologie an der Uni Heidelberg. Er belegte den Lateinleistungskurs und interessiert sich auch heute noch sehr für die lateinische Sprache.

10. Be soft – Rhetorik & mehr

von David, Sonja und Ida Hahn, Birgit Thiel

Jeder CdEler kennt es: Das Referat steht an und ist noch nicht fertig, man hat dem Orga-Team leichtsinnigerweise einen Kurs versprochen und muss diesen nun komplett vorbereiten oder man wird plötzlich zum Moderator des Bunten Abends erkoren. Um für derartige Anlässe gerüstet zu sein, wollen wir üben:
   1. Rhetorik,
   2. Moderations- und Kreativitätstechniken,
   3. Konzeptionierung und Improvisation.
Abwechslungsreichen Ausgleich bieten außerdem:
   1. Massage,
   2. Entspannungsübungen und
   3. kleine Spiele.

Birgit trainiert ihre Hände regelmäßig beim Kühemelken zu Hause, beruflich kümmert sie sich seit Abschluss ihres dualen BWL-Studiums um die Verbreitung von Recyclingpapier. Sonja promoviert im Bereich Psychologie, wird sich aber wohl bald ausführlicher mit Klein-Ida beschäftigen. David hat Elektrotechnik studiert und sich für 12 Jahre als Soldat bei der Bundeswehr verpflichtet. Bald wird er wohl aber auch immer öfter von Klein-Ida kommandiert werden. Klein-Ida kennen wir zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Beschreibung noch nicht persönlich, sie strampelt aber schon fleißig.

11. Tanzen und Technik Reloaded (findet nicht statt!)

von Almuth Zimmermann und Ingmar Schaaff

Bewaffnet mit Kamera, Laptop und Beamer wollen wir den technischen Raffinessen des Tanzens – Haltung, Fußarbeit, Führen und Führenlassen – auf den Grund gehen und nebenbei zur Erholung ein paar neue Figuren erlernen.
Willkommen sind alle fortgeschrittenen TänzerInnen und solche, die es werden wollen. Grundschritte und erste einfache Figuren in den Standard- und Lateintänzen werden vorausgesetzt! Auf welche Tänze wir uns konzentrieren, ist auch eure Entscheidung. Wer selber eine interessante Figur zum Kurs beitragen kann, wird übrigens vom Referat befreit! Die Figuren werden sich auf jeden Fall von den letzten Kursen unterscheiden. Falls ihr euch bereits mit PartnerIn anmelden wollt, vermerkt dies bitte auf der Anmeldung. Falls nicht, entscheidet das Los ;-). Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis wird garantiert. Bitte gebt auf der Anmeldung euren Kenntnisstand an (z.B. "Bronzekurs"), damit wir uns darauf einstellen können.

Almuth studiert Wirtschaftsingenieurwesen (E-Technik) an der TU Darmstadt. In ihrer Freizeit tanzt sie leidenschaftlich gerne, schwimmt und macht Taekwondo. Ingmar hat BWL in Oestrich-Winkel studiert und arbeitet zur Zeit in Essen bei RWE. Außerhalb der Arbeit verbringt er seine Zeit am liebsten mit Tanzen, Kampfsport oder mit Gesellschaftsspielen. Gemeinsam haben sie seit 2005 auf Pfingst- und SommerAkademien Tanzkurse angeboten.

12. Die sokratische Suche – Weisheit oder Geschwätz?

von Raul Heimann, Viktoria Bachmann und Merlin Carl

Oft wird Philosophie als eine lebensferne Reflexion angesehen, auf die man ohne große Verluste verzichten könnte. Genügend philosophiegeschichtliche Beispiele scheinen dieses Vorurteil zu bestätigen. Ein Blick zurück an den Anfang der Philosophiegeschichte zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Die platonische Philosophie beginnt nicht mit abstrakter Reflexion, sondern im konkreten Alltag. Sie ist die Suche nach der Weisheit, die oft gerade dort unterstellt wird, wo sie am dringlichsten ist, eben im Alltag. Diese Suche wurde in vorbildlicher und seitdem unübertroffener Weise von Sokrates vollzogen, in der dialogischen Prüfung seiner Gesprächspartner. An der Frage nach dem Guten des Menschen, wie etwa der Tugend Besonnenheit, entfalten sich stets zwei radikal gegenläufige Denkbewegungen. Auf der einen Seite die Gesprächspartner, die sich im Besitz der Erkenntnis des Guten dünken und diese nur reflektieren zu müssen glauben, und auf der anderen Seite Sokrates, der die Haltlosigkeit dieses Dünkels an der Leere dieser Reflexion nachweist. Im Kurs werden wir versuchen, das Besondere der sokratischen Suche zu verstehen. Dazu werden wir den Tugenddialog "Charmides" über Besonnenheit und Selbsterkenntnis in gründlicher Textlektüre nachvollziehen. Wir erwarten von den Teilnehmern keine Vorkenntnisse aber ein Textreferat.

Raul und Viktoria promovieren seit 2006 zu den Themen "Gerechtigkeit" und "Das gute Leben" mit Schwerpunkt auf dem sokratischen Dialog.

13. "Ist alles Notwendige wirklich?" – Modal- und Beweisbarkeitslogik (findet nicht statt!)

von Merlin Carl

Die Modallogik ist eine auf Aristoteles zurückgehende Erweiterung der Aussagenlogik, in der versucht wird, Schlußregeln für Konzepte wie das der notwendigen Wahrheit oder möglichen Wahrheit einer Aussage zu entwickeln. Je nachdem, wie man diese Begriffe deutet, ergeben sich ganz unterschiedliche Logiken; so kann man z.B. "notwendig" als "geboten" und "möglich" als "erlaubt" auffassen, oder als "immer" und "manchmal" etc. Ein mathematisch und philosophisch besonders interessanter Anwendungsbereich eröffnet sich, wenn "notwendig" als "beweisbar" und "möglich" als "nicht widerlegbar" interpretiert wird – man gelangt so zu einer umfassenden Theorie der mathematischen Beweisbarkeit, der sogenannten Beweisbarkeitslogik, von der etwa der zweite Gödelsche Unvollständigkeitssatz ein einfaches Korollar ist. Im Kurs werden wir Grundlagen und Entwicklung der Beweisbarkeitslogik anhand von George Boolos´ Buch "The logic of provability" nachvollziehen. Vorkenntnisse sind kaum nötig, auch wenn eine gewisse Vertrautheit mit klassischer Aussagenlogik und elementarer Zahlentheorie nützlich wäre. Da möglichst jeder Teilnehmer einen Vortrag halten sollte, sollte man außerdem genug Englisch beherrschen, um das Buch lesen zu können.

Merlin promoviert derzeit in mathematischer Logik in Bonn.

14. Navigation

von Marie-Luise Menzel und Tim S. Holderer

Ohne Navigation ist die heutige globalisierte Welt ebenso wenig vorstellbar wie die Entwicklung der Menschheitsgeschichte: Navigation ist eine uralte Kunst, Technik, Tradition - ja, was eigentlich? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen: Aus historischer Sicht (Wie navigierten unsere Vorfahren? Wie fanden die Polynesier den Weg nach Hawaii?), mit theoretischen Betrachtungen (Naturbeobachtung: z.B. Astronavigation, Kompass; Nutzen von Technologie: z.B. Funknavigation, GPS) und natürlich mit praktischen Anwendungen (Kartographie, Herstellen eines Sextanten, Navigation in der Luftfahrt). Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, Euer Wissensdrang reicht aus.

Marie ist Physikstudentin und erinnert sich mit Freude an ihren Exkursions-Vortrag direkt auf dem Nullmeridian in Greenwich. Tim ist Verkehrspilot und nutzt die Navigation, um mit Lufthansa-Flugzeugen ferne Länder anzusteuern.

15. ¿Hablas Español? – Spanisch für Anfänger

von Lilly Schön und Astrid Schomäcker

Wolltest du schon immer mal in bisschen Spanisch lernen, doch bisher fehlte dir die Gelegenheit? Oder wusstest du schon mal, wie man auf Spanisch eine Cola bestellt oder nach dem Weg fragt, aber möchtest das gerne noch einmal auffrischen? Dann bist du in diesem Kurs genau richtig. Wir fangen ganz am Anfang an und werden uns je nach Tempo der Kursteilnehmer vorarbeiten. Natürlich wollen wir die grundlegende Grammatik behandeln, uns aber vor allem aufs Sprechen und Verstehen konzentrieren. Gesprächsthemen wie spanisches Essen oder spanische Filme sollen dabei nicht nur theoretische Grundlage sein, sondern auch praktisch erlebt werden.

Lilly studiert in Tübingen internationale VWL mit Schwerpunkt Lateinamerika und hat nach ihrem Abitur ein Jahr lang Südamerika unsicher gemacht. Astrid studiert Philosophie in Berlin und war 2008 für ein Auslandssemester in Spanien.

16. Softwareentwicklung in Theorie und Praxis

von Andreas Wichmann und Daniel Herde

Was macht man in einem großen Softwareentwicklungs-Projekt? Natürlich programmieren – aber auch Technologieevaluation, Projektmanagement, Architekturentwurf, Design, Konfigurationsmanagement, Tests und etliches mehr. Wir werden uns in dem Kurs Vorgehen, Methoden und Technologien, wie sie bei großen kommerziellen Projekten üblich sind, ansehen. Einige Aspekte werden wir herausgreifen und detaillierter diskutieren, z. B. Architekturprinzipien, Extreme Programming oder typische Softwarefehler.
Parallel dazu wollen wir ein einfaches graphisches Spiel, das mit einem Server kommuniziert, entwickeln. Dabei werden wir sehen, welche der Methoden hier hilfreich und welche nur für Großprojekte angemessen sind.

Andreas Wichmann hat an der Uni Bonn Physik studiert und wurde in Theoretischer Physik (Quantenfeldtheorie) promoviert. Seit 2001 arbeitet er bei einem großen Unternehmen überwiegend an der Entwicklung und Weiterentwicklung der Software für die Zentrale eines Autobahnmautsystems. Seine ersten Erfahrungen mit Spieleprogrammierung stammen noch aus der internetlosen Zeit der Home-Computer. Daniel Herde studiert Physik an der TU Dresden und schreibt momentan an seiner Diplomarbeit über die stochastische Modellierung von Verkehrsstaus. In seiner Freizeit fragt er sich, wie man Peer-to-Peer-Architekturen für Massive-Multiplayer-Spiele nutzbar machen kann.

17. Loquerisne Latine? (findet nicht statt!)

von Christian Kupfer

Eine lateinische Anmache in der Disco (Quid cras ientaculum optabis, amica? Was willst du morgen frühstücken, Schnecke?) – zum Scheitern verurteilt.
Im Lebenslauf unter "Sprachkenntnisse" der Hinweis: "Latein (fließend)" – wohl in den wenigsten Fällen das ideale Erfolgsrezept.
Auf Latein eine Pizza bestellen wollen – Psychiatrie!
… Quid hercle refert?, sagen da die Lateiner: Was juckt’s uns? Dass das Sprechen dieser angeblichen lingua mortua nicht nur möglich, sondern auch bereichernd, spannend, amüsant, nützlich (o ja!) und gar nicht mal so schwer ist, soll dieser Kurs beweisen. Man wird danach – unter Garantie – auch lateinische Texte leichter lesen und mit ganz neuen Ohren hören. Methodisch wie thematisch gilt: variatio delectat. Von antiker Hochkultur bis zu modernem Trash ist alles erlaubt.
Wir werden: lateinisch schimpfen und flirten, spaßige Sprachspiele machen, Theater spielen, Texte besprechen, in Kultur und Alltag Roms eintauchen und v.a. dem sermo cottidianus („Smalltalk“) frönen. Ein wenig, keineswegs graue, Theorie muss dabei sein:
Wie latinisiert man Namen? Wie bildet der Lateiner neue Wörter (computator vs. computatrum)?
Welche Probleme treten auf, wenn man Modernes in antike Sprache und Denkweise übersetzt?
Und wie klangen lateinische Prosa und Poesie?
Gerade hier sind unzählige Aha-Erlebnisse vorprogrammiert. Quam perversa enim docent plerique magistri!
Willkommen sind fortgeschrittene Lateinsprecher wie auch v.a. in der Latinitas viva noch gänzlich unbeleckte Lateinliebhaber. Letzteres allerdings ist Pflicht, ebenfalls fehlerfreies Deklinieren von dominus sowie die übernahme eines winzigen referatulums. Bei echt römischen Sklavenstrafen verboten ist die (unnötige) Angst vor Fehlern – die lapsuuuus des Kursleiters eingerechnet.

Christian(us), bei dem sogar die Mailbox Latein redet, studiert Germanistik und Klassische Philologie in Erlangen, wo er mit einigen Gleichgesinnten auch ein Colloquium Latinum eingerichtet hat. Im Sommer wird er zum zweiten Mal an der Septimana Latina in Hessen teilnehmen.

18. Hingehört!

von Matthias Heinrich und Sven Marten Czerwonka

Kaum ein Genre ist für die Inszenierung in Hörspiel-Form so geeignet wie Science-Fiction – das wurde spätestens 1978 mit dem durchschlagenden Erfolg von Douglas Adams' "Hitchhiker's Guide" deutlich. Doch schon 40 Jahre zuvor hatte H.G. Wells' "War of the Worlds" nicht wenige amerikanische Radio-Hörer in Angst vor einem Marsmenschen-Angriff versetzt ...
Wir wollen nun diese Tradition aufnehmen und mit euch zusammen ein Science-Fiction-Hörspiel inszenieren. Spaß am Hören und die Lust, eine phantastische Geschichte nur mit der Stimme und selbst erzeugten Sound-Effekten zum Leben zu erwecken, solltet ihr mitbringen.

Abschließend wollen wir noch verraten, auf wen sich die Kursteilnehmer im Sommer einlassen: Matthias ist Physiker und promoviert in Jena über diskrete Optik in lasergeschriebenen Wellenleitersystemen. Sven Marten genießt regelmäßig Hörspiele, wenn er nicht gerade für VACOM Großkundenprojekte betreut.

19. Schach

von Maximilian Kölsch und Marcus Rosenblatt

Habt ihr auch schon einmal davon geträumt, Russisch, Französisch, Spanisch, Holländisch, Italienisch und Schottisch zu lernen? Und zwar alles in einer Woche? Schach macht es möglich! Denn hierbei handelt es sich um Schacheröffnungen. Die Themen, die wir behandeln, werden sich hauptsächlich nach den Teilnehmern richten; sicherlich werden wir uns dabei nicht auf Eröffnungen beschränken. Der Kurs ist prinzipiell für Anfänger gedacht, (geringe) Vorkenntnisse schaden aber natürlich nicht. Teilnehmer mit DWZ über 2000 werden vom Kurs ausgeschlossen!

Marcus kam durch seinen Vater zum Schach und spielte mit sieben Jahren sein erstes Turnier. Seine größten Erfolge waren ein Sachsenmeistertitel und ein 11. Platz bei den deutschen Jugendeinzelmeisterschaften (kurz DJEM). Max kam ebenfalls durch seinen Vater zum Schach, fing aber später an, Schach im Verein zu spielen. In Schleswig-Holstein konnte Max mehrmals den Jugendlandesmeistertitel erringen und erreichte bei seiner letzten DJEM den 10. Platz.
Max geht noch zur Schule und besucht die 12. Klasse, Marcus studiert im ersten Semester Physik in Berlin. Beide freuen sich darauf, euch das Spiel der Könige näher bringen zu dürfen!

20. Computational Neuroscience

von Christian Scheppach und Sebastian Meuren

Wie funktioniert die Nervenleitung? Wie werden Signale entlang Nervenfasern übertragen? Das haben Alan Hodgkin und Andrew Huxley Mitte des letzten Jahrhunderts herausgefunden und dafür den Nobelpreis erhalten. Damals gab es noch kaum Computer, so dass Huxley drei Wochen brauchte, um die Form des Aktionspotentials und die Leitungsgeschwindigkeit von Nervenfasern per Hand auszurechnen. Bei uns im Kurs wird das mit Laptop-Hilfe schneller gehen. Wir wollen uns mit der physikalischen Modellierung von Nervenzellen und Ionenkanälen beschäftigen und dann neuronale Prozesse auf dem Computer simulieren - durch direkte Programmierung oder mit Hilfe der Simulationssoftware NEURON. Je nach Interesse der Teilnehmer können wir auch Abstecher in andere Gebiete der theoretischen Neurowissenschaft machen und darüber nachdenken, wie das Gehirn wohl auf einer größeren Skala funktionieren mag.
Der Kurs richtet sich an neurobiologisch, physikalisch oder informatisch Interessierte. Programmierkenntnisse sind keine Voraussetzung, schaden aber auch nicht. Über die Bereitschaft, ein kleines Referat zu übernehmen, würden wir uns freuen. Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr Christian gerne eine E-Mail schicken (die Adresse findet ihr in der CdE-Adressdatenbank).

Christian studiert Physik und Neurowissenschaften und arbeitet momentan an seiner Diplomarbeit. Sebastian studiert ebenfalls Physik in Heidelberg und verbringt gerade ein Auslandssemester in St. Petersburg.

21. Das Perpetuum mobile: Spielen für Physiker (findet nicht statt!)

von Holger Hauptmann und Felix Becker

Physiker sind Spielkinder. Kreative Spielkinder, die nicht nur daran interessiert sind, was sie spielen, sondern auch, warum man damit überhaupt spielen kann. Wir wollen mit Euch kleine und größere physikalische Spielereien durchführen. Zwei der größeren Projekte, die wir angehen wollen, sind Zweistrahlholographie (inklusive Versuchsaufbau und Filmentwicklung) und Bau einer Thermal Lag Engine (eine Art verdrängerloser Heißluftmotor) – mit der Gelegenheit, dabei und danach rumzuspielen, -probieren, -verbessern ... sonst wäre es ja kein Spielen. Für weitere kleinere Spielereien und Ergänzungen der großen sollen unsere Optik- und allgemeine Materialkiste(n) noch weitere Gelegenheiten bieten, und natürlich Eure spontanen Ideen! Nur eines können wir Euch noch nicht bieten: Ein Perpetuum mobile.
Vorraussetzungen an die Kursteilnehmer: Kenntnis physikalischer Prinzipien aus der Oberstufen-Schulphysik, aber insbesondere Interesse an der Physik und am Selbermachen. Es wird vielleicht vor Kursbeginn einen kleine theoretische Einführung zum Durchlesen geben. Gearbeitet wird in kleinen Gruppen an den einzelnen Projekten. Es werden Materialkosten entstehen, welche wir gleichmäßig auf alle Kursteilnehmer und -leiter umlegen wollen. Die Höhe der Kosten können wir noch nicht abschätzen, sie werden aber auf jeden Fall unter 20 Euro pro Person liegen.

Felix arbeitet gerade an seiner Diplomarbeit über Licht in Käfigen. Holger steht kurz vor seiner Diplomarbeit über Zufall in der Quantenphysik. Beide studieren in Dresden und unterhalten sich beim Go-Spielen gerne über Physik.

22. Einführung in die hebräische Sprache (findet nicht statt!)

von Philipp Strathausen

Wer hat nicht schon einmal einen Albtraum gehabt, eines Tages im himmlischen Paradies aufzuwachen und kein Wort zu verstehen, weil die Hebräischkenntnisse fehlen? Um einem solchen Fall vorzubeugen, biete ich einen Hebräischkurs an. Sicher wird ein kritischer Geist sofort bemerken: Woher wollen wir denn wissen, dass im Paradies Hebräisch gesprochen wird? Natürlich wissen wir es nicht. Andererseits jedoch können wir es nicht ausschließen! Daher ist das Erlernen dieser Sprache eine unbedingte Notwendigkeit im Hinblick auf das Leben nach dem Leben.
Im Kurs wollen wir Grundkenntnisse der Neuhebräischen Sprache erwerben und einen Ausflug ins Althebräische machen. Es erwartet Dich eine logische Sprache mit nur sehr wenigen Ausnahmen, eine überschaubare Grammatik voller Möglichkeiten und ein durchdachtes, effizientes Schriftsystem. Filme und Musik werden ein Teil des Kurses sein.

Philipp hat 2002-2003 ein Jahr in Galiläa einen Anderen Dienst im Ausland gemacht und besucht seither gelegentlich Hebräischkurse an der FU Berlin.